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    Ob beten hilft? Sexueller Missbrauch von Minderjährigen durch katholische Priester ist weiterhin ein Problem. © Joerg Sabel/Adobe.Stock

     

Missbrauchsvorwürfe gegen Priester gehen nicht zurück

fzm, Stuttgart, Juli 2019 – Die Zahl der katholischen Priester, denen ein sexueller Missbrauch an Kindern vorgeworfen wird, ist in den letzten Jahren nicht zurückgegangen. Das haben Forscher unter Federführung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim festgestellt. Ihre Ergebnisse basieren auf der Analyse von über 38 000 kirchlichen Personalakten und sind aktuell in der Fachzeitschrift „Psychiatrische Praxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) zu lesen.

Die Anzahl der sexuellen Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Priester ist im Zeitraum von 2009 bis 2015 nicht rückläufig, sondern in etwa konstant geblieben. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Mannheim, Heidelberg und Gießen (MHG) festgestellt. Unter Federführung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim haben die Forscher Personalakten der deutschen katholischen Kirche im Zuge der sogenannten MHG-Studie gesichtet. Die Deutsche Bischofskonferenz und der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) hat die Auswertung gefördert.

„Es ist bemerkenswert, dass die Beschuldigungsquote von Priestern in den vergangenen Jahren nicht zurückgeht, obwohl die Deutsche Bischofskonferenz bereits 2002 Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker erlassen hat, die in den Jahren 2010 und 2013 überarbeitet wurden“, sagt Professor Dr. Harald Dreßing, Leiter Forensische Psychiatrie am ZI und Verbundkoordinator der MHG Studie.

Missbrauch durch Priester anhaltendes Problem

Die Forscher stellten fest, dass die Quote der Beschuldigungen gegen katholische Priester von 2009 bis 2015 weitgehend konstant geblieben ist. Bei den Berechnungen wurden keine Fälle aus der Vergangenheit einbezogen, sondern nur Beschuldigungen in Bezug auf Taten, die im jeweiligen Jahr der Erhebung stattgefunden haben sollen und bei denen das Kind zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre alt war. „Die Auswertung der Personalakten zeigt deutlich, dass sexueller Missbrauch von Minderjährigen durch katholische Priester ein anhaltendes Problem ist, kein historisches“, sagt Verbundkoordinator Dreßing und ergänzt: „Die Präventionsarbeit der Kirche sollte sich vor allem an die Gruppe von Priestern richten, die zum sexuellen Missbrauch disponiert ist.“

Priester nicht seltener angezeigt als Männer in Allgemeinbevölkerung

Weiter ergab die Analyse der Forscher, dass Priester trotz ihres Weiheamtes und der damit verbundenen hohen moralischen Anforderungen im Untersuchungszeitraum ebenso häufig wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angezeigt wurden als Männer in der Allgemeinbevölkerung. Die Forscher konnten zeigen, dass zwischen 2009 und 2015 die Quote der Beschuldigten unter den katholischen Priestern, gegen die auch eine Strafanzeige gestellt wurde, in einigen Jahren sogar höher lag als die Quote in der männlichen Allgemeinbevölkerung. Die Forscher gehen davon aus, dass über die offiziell bekannten Tatvorwürfe hinaus in allen Bereichen der Gesellschaft von einem erheblichen Dunkelfeld ausgegangen werden muss, da eine Vielzahl von Taten unentdeckt bleibe.

H. Dreßing et al.:
Sexueller Missbrauch von Kindern durch katholische Priester seit 2009: Verlauf und relative Häufigkeit im Vergleich zur männlichen Allgemeinbevölkerung
Psychiatrische Praxis 2019; online erschienen am 3. Juli 2019 

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