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    Eine Operation der Schilddrüse kann u.a. bei Krebsverdacht, einer Organvergrößerung oder einer Drüsenwucherung notwendig sein. © Axel Kock/Adobe.Stock

     

Patienten erhalten nach einer Schilddrüsen-OP nicht immer die optimale Behandlung

fzm, Stuttgart, November 2019 – Über 75 000 Schilddrüsen-Operationen werden laut Krankenhaus-Report 2017 jährlich in Deutschland durchgeführt. Werden bei dem Eingriff die Nebenschilddrüsen beschädigt oder mitentfernt, müssen die Patienten vorübergehend oder dauerhaft Kalzium und Vitamin D einnehmen. Laut einer Studie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2019) sind Patienten einige Monate nach der Operation immer wieder über- oder unterversorgt. Hinzu kommt, dass Hausärzte die Werte zum Teil nicht regelmäßig kontrollieren.

Die vier Nebenschilddrüsen des Menschen haben jeweils die Größe einer Erdnuss. Sie befinden sich hinter der Schilddrüse und können bei Operationen leicht verletzt werden. Manchmal werden sie vom Chirurgen auch unbeabsichtigt zusammen mit der Schilddrüse entfernt. Die Nebenschilddrüsen produzieren dann zu wenig oder gar kein Parathormon mehr. Dieser Zustand, medizinisch Hypoparathyreoidismus, führt zu einem Kalziummangel. Die Patienten müssen dann regelmäßig Kalzium einnehmen, damit sie keine Muskelkrämpfe oder Herzrhythmusstörungen erleiden. Die Patienten erhalten außerdem Vitamin D, um die Aufnahme von Kalzium aus dem Darm zu steigern.

Nach dem Klinikaufenthalt versorgen Hausärzte die Patienten weiter. Sie haben die Aufgabe, die Hormon- und Kalziumkonzentration im Blut der Betroffenen regelmäßig zu kontrollieren und die Behandlung bei Bedarf mit Kalzium und Vitamin D fortzuführen bis sich die Werte normalisieren.

Mediziner vom Schilddrüsenzentrum an der Raphaelsklinik in Münster haben anhand eigener Patientendaten die Qualität der Nachbehandlung nach einer totalen Entfernung der Schilddrüse bewertet. Dafür haben sie 117 Patienten acht Monate nach der Operation oder später untersucht und zur Behandlung durch ihren Hausarzt befragt. Bei 62 Patienten (53 Prozent) war direkt nach der Operation ein Hypoparathyreoidismus festgestellt worden. Die übrigen 55 Patienten (47 Prozent) hatten nach der OP normale Hormonwerte.

Wie Dr. med. Erik Allemeyer und Mitarbeiter berichten, hatten bei der Nachuntersuchung nur noch sieben der 62 Patienten einen Hormonmangel. Bei den anderen hatten sich die Nebenschilddrüsen erholt. Sechs nahmen weiterhin Kalzium und Vitamin D ein. Bei vier von ihnen waren die Kalziumwerte jedoch immer noch zu niedrig. Dr. Allemeyer spricht von einer Unterversorgung. Er rät den Hausärzten zu häufigeren Laborkontrollen, um einen Abfall der Kalziumwerte frühzeitig zu erkennen. Kritik ging auch an die Ärzte von zehn Patienten, bei denen die Hausärzte nach Angaben der Betroffenen keine Laborkontrollen des Kalziumwerts durchgeführt hatten.

Häufiger als eine Unter- war jedoch eine Überversorgung: So hatten die Hausärzte nämlich 26 von 117 Patienten, also über 23 Prozent, die bei der Nachuntersuchung gar keinen Parathormonmangel hatten, Kalzium und Vitamin D verordnet. Dies sollte wegen der hohen jährlichen Therapiekosten und möglicher Nebenwirkungen vermieden werden, schreibt Dr. Allemeyer.

E. H. Allemeyer et al.:
Ambulante Versorgungsqualität für den permanenten postoperativen Hypoparathyreoidismus
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2019; 144 (21); e130–e137

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